Rückblicke 2019

2019 (Februar) "Milchmond", Lesung von Petra Elsner

von Manfred Lentz

Mittwochabend im "Mittelpunkt": Mehr als 40 Neugierige haben sich versammelt und blicken erwartungsvoll nach vorn, wo Petra Elsner hinter einem Tischchen mit Mikrofon und Wasserglas Platz genommen hat. Eine Manuskriptlesung aus ihrem neuesten Werk "Milchmond" ist angesagt, eine Erzählung, die eine  Kriminalhandlung mit viel Lokalkolorit vereint. Dass es sich bei dem Schauplatz der Geschichte, dem Dorf Sandberg, um Kurtschlag in Kombination mit einigen Nachbardörfern handelt, ahnt man nicht nur, man weiß es, denn die Hinweise sind deutlich. Nur wie sich die handelnden Personen mit bestimmten Dorfbewohnern verbinden lassen, diese Beziehung bedarf dann doch noch näheren Nachdenkens. Zwei Schwestern stehen im Zentrum der Erzählung, Julie und Laura, beide intensiv mit der Pflege ihrer demenzkranken Mutter befasst, was anstrengend ist, Stress mit sich bringt und immer mal wieder zu Streitereien zwischen den beiden führt. So wie in der geschilderten Situation, wo Laura nach einem Streit mit ihrer Schwester plötzlich verschwunden ist. Eine Vermisstenanzeige von Julie bei der Polizei bleibt ohne Ergebnis. Doch dann - es ist Winter, ein kräftiger Sturm wirft Bäume um - wird sie von einem Feuerwehrmann bei einem Einsatz gefunden, unter einem Laubhaufen versteckt und vermutlich ebenso kalt wie der Schnee, denn sie ist tot. Was die klassische Frage jedes Krimis nach dem" Whodunit" aufwirft, also die Frage: Wer war's?

Doch Petra wäre nicht Petra, wenn die Frage jetzt lediglich lautete: Welcher Mann oder - auch Frauen morden - welche Frau hat Laura auf dem Gewissen? Nein, bei Petra sind Geister angesagt, die Welt der sichtbaren und unsichtbaren, der freundlichen und weniger freundlichen Spukgestalten, die in der Schorfheide ihr Unwesen treiben und  sich gelegentlich auf die eine oder andere Weise in den Alltag der hier lebenden Menschen drängen.  Was heißt, dass es sich bei dem Täter auch um ein solches Geistwesen gehandelt haben könnte, etwa um den Wolf aus der alten Legende vom Milchmond, die sich zwar nicht die Alten im "wirklichen" Sandberg erzählen, nein, diese Legende hat Petra sich ausgedacht,

aber sie hat das so überzeugend getan, dass man ihr die Urheberschaft der alten Sandberger glatt abnehmen könnte: von einem Wolf, der sich bei Milchmond = Vollmond eine Frau holt und sie "nimmt", wie es in der Geschichte heißt, wobei Petra wohl zu Recht darauf setzt, dass jeder versteht, was sie meint. Und kaum hat der Wolf die Frau also genommen - ex und hopp -, ist sie tot. Womit sich dem Zuhörer dieses Abends im "Mittelpunkt" - und später dem Leser des Buches - die Frage nach dem Schuldigen an Lauras Tod nunmehr auf eine ganz neue Weise stellt: nämlich Mensch oder Wolf? Doch diese Frage beantwortet Petra bei ihrer Lesung verständlicherweise nicht, schließlich will sie das Produkt ihrer Fantasie noch für einen angemessenen Obulus unter die Leute bringen. Was sie bei dieser Gelegenheit leider nicht tun kann, Lesung + Kauf + Signierung gibt's nicht an diesem Abend, da das Buch noch nicht im Druck vorliegt. Aber irgendwann in den nächsten Wochen oder Monaten soll es auf dem Markt sein, so dass wir endlich den Buchdeckel werden aufschlagen und nachlesen können, wer's war. Und mehr noch: was aus Julie geworden ist und aus der demenzkranken Mutter und aus Rosa und Dörte und dem "Eiermann" und all den anderen Personen, die Petras Erzählung bevölkern. Die meisten von ihnen Zeitgenossen aus Petras Umgebung, weil sie - wie schon geschrieben - ihre Vorbilder eben aus ihrem kleinräumlichen Umfeld genommen hat. Wenn's so weit ist, kann also das Rätseln beginnen.

Eine unterhaltsame Lesung war's, eine spannende Geschichte, vorgetragen vor einem Publikum, das mucksmäuschenstill lauschte und wohl gerne noch Weiteres gehört hätte, aber mehr als ein Appetithäppchen sollte diese Veranstaltung nicht sein. Eine Veranstaltung, die gewiss nicht nur Petra als gelungen bezeichnen dürfte. In diesem Sinne: Danke, liebe Petra, für einen kurzweiligen Ausflug in diese Mischwelt aus Realität und Fiktion, die so recht in unsere Schorfheide passt! 

Fotos und Text: Manfred Lentz

2019 (Februar) Fasching

Sing Halleluja!

von Susanne Nickel

Wenn der Jahreswechsel gebührend gefeiert wurde, alle Weihnachtsbäume beim gemütlichen Stelldichein an der Bleiche verbrannt worden sind und das Monatsbild des Kalenders einem den Winter vorgaukelt, dann nimmt das Verkehrsaufkommen auf der Kurtschläger Dorfstraße bis zum Abzweig Rübengasse an den Sonntagnachmittagen plötzlich stark zu, und die Parkplätze am Gemeindezentrum werden knapp. Die Vorbereitungen für den Fasching laufen auf Hochtouren.

Inka, Judith und die jüngsten Tänzerinnen und Tänzer mit ihren Eltern sind die ersten, die eintreffen. Es folgen die Erwachsenen, zuerst die Frauen und dann die Männer. Bis in den Abend hinein wird geplant und geprobt, Ideen werden gesammelt und diskutiert. Welche Musik, was ziehen wir an, wo kriegen wir die Kostüme her, wer macht die Choreografie, drei oder vier Schritte bei diesem Takt, drehen wir über die rechte oder die linke Schulter? Die ersten zwei, drei Proben erinnern manchmal eher an einen Debattierklub, und so mancher fragt sich klammheimlich, wie sollen wir das bloß bis Mitte Februar hinkriegen? Aber wir lassen nicht nach, Sonntag für Sonntag üben wir, das Programm nimmt Gestalt an, die Kostüme sind auch nach und nach eingetroffen, immer seltener verpasst jemand seinen Einsatz oder dreht sich in die falsche Richtung. Spätestens zur Generalprobe am Freitagabend sind alle Diskussionen vergessen. So mancher denkt sich, ein schönes Programm haben wir diesmal auf die Beine gestellt. Von jetzt an steigt das Lampenfieber, hoffentlich klappt alles, und vor allem, hoffentlich kommt unser Programm beim Publikum an. Dann ist endlich der vorletzte Sonnabend im Februar, die Mitwirkenden nehmen die Umkleideräume in Beschlag, dort lässt sich die Nervosität quasi mit den Händen greifen, hoffentlich geht alles glatt. Punkt 20 Uhr startet DJ Bonk den Countdown, die in den letzten Wochen aufgebaute Anspannung löst sich. Bühne frei, Sing Halleluja!, endlich wieder Fasching in Kurtschlag! Schwungvolle Tänze der Sportvereinsgruppen und der Westernladies wechseln sich ab mit Sketchen, in denen allerlei Menschliches und Zwischenmenschliches augenzwinkernd aufs Korn genommen wird. Die Leute lachen, klatschen, verlangen Zugaben - wir haben es mal wieder geschafft, Halleluja! Nachdem im Finale noch mal alle Künstler und Künstlerinnen die Bühne betreten haben, wird zu DJ Bonks Musik und mit Getränken der Firma Gosse noch bis 2 Uhr morgens weitergefeiert.

... und der Teufel kriegt uns früh genug ;-)

Fotos: Manfred Lentz / Text: Susanne Nickel

2019 (Januar) Neujahrsempfang des Ortsvorstehers

Fotos: Manfred Lentz

2019 (Januar) Weihnachtsbaumverbrennen

Gerade erst haben die Bäume uns noch erfreut, nun haben sie ihre Aufgabe erfüllt und können entsorgt werden. Aber einfach wegwerfen ist nicht. In einer Feuerschale an der Bleiche werden sie verbrannt, während wir mit anderen Kurtschlägern über Gott und die Welt reden, Glühwein trinken, Würste essen und den Event genießen.  In elf Monaten geht dann alles wieder von vorn los.

Fotos und Text: Manfred Lentz