Textsammlung Rudi Arndt

Dörfliche Autarkie

Maurer oder Wilddieb

Das Nachtgespenst

Der unheimliche Begleiter

Die folgenden Texte stammen von Rudi Arndt, einem ehemaliger Kurtschläger. Seine Familie lebte in dem Haus, das heute Helmut Cudok bewohnt. Rudi Arndt hat mehrere Aufsätze über das Leben in Kurtschlag in früheren Zeiten verfasst, die später in den Besitz der Familie Cudok gelangt sind. Helmut Cudok war so freundlich, uns diese Texte zu überlassen. Wir werden sie nach und nach veröffentlichen. Und wenn auch manches für uns Heutige etwas naiv klingen mag - es gibt viele interessante Details, deshalb lohnt sich das Lesen.

Die Fotos gehören zu den bereits mehr als 600 Aufnahmen, die wir dank der Unterstützung vieler Kurtschläger inzwischen zusammentragen konnten. Sie zeigen das alte Kurtschlag, haben aber sowohl zeitlich als auch inhaltlich keinen direkten Bezug zu dem Text.


Dörfliche Autarkie

Großvater war gelernter Böttcher. Seine Zeitgenossen kannten ihn als Fuhrmann. In seinen Diensten liefen mehrere Gespanne. Für die Forst Holz rücken, Bau- und Grubenholz zu den Verladebahnhöfen Vogelsang oder Groß Schönebeck transportieren, das waren die hauptsächlichsten Quellen des Broterwerbs. Daneben wurde auch noch mit Brennholz und Heu gehandelt. Auch ein paar Morgen Land gehörten zum Anwesen, die mit Kartoffeln und Getreide bestellt wurden. Von der Forst wurden Wiesen gepachtet, deren Heu in der eigenen Wirtschaft gebraucht wurde. Der Überschuss wurde bis nach Berlin - meist an den Schlachthöfen - verkauft. Auch der Pferdehandel wurde mit Gewinnaussichten betrieben. In diesen Bereichen vollzog sich das Leben der Großeltern, so kannte ich sie. Wieso war der Großvater dann aber gelernter Böttcher?

 

Das Haus der Familie Arndt


Um diese kindlichen Gedanken kurz nach der Jahrtausendwende zu beantworten, muss man die Zeit rund hundertfünfzig Jahre zurückstellen. Dann ersteht eine ganz andere Sicht auf das dörfliche Leben in der Schorfheide. Großvater wurde 1862 in Kurtschlag geboren. Er war der Älteste von sechs Geschwistern. Das Groß Döllner Kirchenregister verzeichnet zwei Familien mit dem Namen Arndt. Beide Stammväter sind in Röddelin bei Templin geboren. Offensichtlich haben sie in Kurtschlag ihre Liebe fürs Leben gefunden. Urgroßvater heiratete 1871. Ein Jahr später war der Stammhalter da, mein Großvater. Übrigens stand das Haus der Urgroßeltern noch bis Ende der fünfziger Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war ein Mittelflurhaus in Fachwerkbauweise. Später wurde an der Frontseite und auch zur Hofseite angebaut in Ziegelbau. So wurde für die Familie und für das Altenteil Wohnraum geschaffen.

 

Seinerzeit dürfte viel in eigener Regie und Bauleistung am Haus entstanden sein. Sogar die bescheidene Innenausstattung war meist selbst hergestellt. Statt Betten hatte man einen Alkoven. Das war ein kleiner Nebenraum, darin eine erhöhte Liegestatt aus Brettern, meist unter dem Fenster, von Wand zu Wand. Darauf kam eine dicke Strohschütte als "Unterbett". Aber auch die anderen "Möbel" waren weitgehend selbst gefertigt. Hängeborde für Teller und Töpfe. große Holztruhen für die Wäsche und Feiertagskleidung. kleinere Kisten für die Aufbewahrung der Vorräte. Auch Tische und Sitzmöbel waren im kleinbäuerlichen Haushalt oft Eigenbau. Die Frauen fertigten durch Spinnen und Weben, Nähen und Stricken selbst einen Teil der Wäsche und Kleidung an. Nur was die eigenen Möglichkeiten überforderte - der Feiertagsrock, die Schuhe, ein besonderer Schrank, Schmiedeteile -, das haben die "Spezialisten", die dörflichen Handwerker angefertigt. Tischler, Stellmacher, Böttcher, Schmiede, 


Schneider und Schuster repräsentierten die dörflich-handwerkliche Produktion. Für Haushalts- und Ackergerät waren Holz und Eisen die gebräuchlichsten Werkstoffe, woraus Eimer, Krautfässer,  

Waschzuber, Pökel- und Butterfässer hergestellt wurden. Andere hochwertige Dinge wie gußeiserne Kochtöpfe, irdenes Geschirr, Besteck, Uhren und Schmuck waren Produkte der sich entwickelnden städtischen und industriellen Produktion. Aber der Hauptteil der benötigten Gerätschaften war schon im Dorf gefertigt worden. Das geht auch aus den Einwohnerlisten hervor. Hacken, Sensen, Sicheln, Eggen, Karren und Ackerwagen waren Produkte der dörflichen Handwerker. Man darf auch voraussetzen, dass der Tauschhandel noch lange gang und gäbe war. Geld aus dem Mehrerlös der kleinbäuerlichen Wirtschaftsweise und der Lohnarbeit war immer knapp. Butterfass gegen Axt, Pökelfass gegen fetten Hammel, Sense gegen Brotgetreide - das ergab zwar eine gewisse Abhängigkeit voneinander, förderte aber den Sinn für die Dorfgemeinschaft. Somit ist es doch nicht ungewöhnlich, wenn der Großvater noch Böttcher gelernt hatte.

 


Der industrielle Aufschwung nach 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg sowie den Folgejahren mit der Auto-, Flugzeug- und Eisenbahntechnik machte viele Berufe des Kleinhandwerks auf dem Dorfe hinfällig. Presse und Werbung erreichten auch die kleinsten Ansiedlungen. Zum Einkaufen fuhr man in die Stadt. Die Post besorgte nicht nur den Zustelldienst, sie übernahm auch mit Regelfahrplänen den Personennahverkehr. Eine neue Zeit war angebrochen. Existenzen standen auf dem Spiel, mussten sich umorientieren. In den Walddörfern entwickelte sich die Schar der Wanderarbeiter. Wochentags arbeitete man auf Baustellen und in Fabrikhallen, am Wochenende war man wieder daheim bei der 

 

Familie. Großvater hatte den Anschluss an die neue Zeit verpasst. Sein Fuhrgewerbe fand mit Einführung der Straßenzugmaschinen eine ernste Konkurrenz. Ein Angebot von der Firma "Lanz" zum Kauf eines "Lanz-Bulldog" hatte er aus mehreren Gründen ausgeschlagen. So waren die Pferdeställe bis auf einen Einspänner leer. Die drei Söhne zogen in die Weite, suchten anderweitig ihr Auskommen. Viele Jahre lieferte er noch ofenfertiges Brennholz an alte Stammkunden nach Templin und Zehdenick. Großmutter unterhielt eine große Schar Federvieh und besserte so die magere Haushaltskasse auf. Manch älterer Dörfler dürfte sich darum noch an die Höner-Arndts erinnern.


Maurer oder Wilddieb

Die Schorfheide ist ein Synonym für einen großen Wald, für eine unberührte Natur, für Abgeschiedenheit. In seinem Kern besteht der Wald aus weit ausgedehnten Kieferbeständen. Der karge Boden und  das lokale Klima lassen das Holz langsam wachsen, machen es hart und wertvoll. Zahlreiche Seen und Senken bilden Wasser- und Moorflächen, lassen wertvolles Laubgehölz wachsen. Das ist der eigentliche Reichtum im "großen Busch". Ein reicher Wildbestand lockte seit je viele Potentaten in Lack und Loden zum herrschaftlichen Jagdvergnügen. Dieser Wald gibt seinen Besitzern Reichtum und Ansehen. Den Waldbauern in den Buschdörfern gibt er Lohn und Brot. Viel Arbeit ist nötig, um das Holz zu ernten, zu transportieren und neu anzupflanzen. Statistisch ist dieser Landstrich dünn besiedelt. Wer dort geboren wird, den empfängt ein weiter Horizont und geruhsame Geborgenheit, die ein bescheidenes Leben ermöglichen. Reich macht der märkische Sand nicht, so viel man sich 

auch müht, dem kargen Boden etwas abzuringen. Zu Zeiten, da noch viel Handarbeit gebraucht wurde, um aus Wald und Feld einen größtmöglichen Nutzen zu ziehen, konnte man auch noch Arbeit in der Nähe finden. Waldarbeiter zogen in Kolonnen durch die Heide, um den Rohstoff Holz zu gewinnen, das Holz zu schälen, zu transportieren und zu verladen. Alles war Schwerstarbeit, nährte aber mit Lohn und Brot viele Familien. Unweit der Buschdörfer, in der Zehdenicker Gegend, haben große Tonvorkommen und die nahe Havel die Ziegelindustrie entstehen lassen. Auch dort wurden viele kräftige Hände gebraucht, um den Ton zu gewinnen, zu verarbeiten und zu transportieren. Man brauchte Streicher, die den Ton formten, Stapler, Brenner, Packer und sogar Schiffer. War die Arbeit auch schwer und der Lohn gering, man hatte sein Auskommen. Ein Streifen Acker für Kartoffeln und Kohl, ein paar Zentner Korn, dazu ein Stück Wiese, das schaffte man noch nebenbei. Auf jedem Gehöft hörte man

 


Federvieh, eine Ziege oder eine Kuh, Schweine und oft genug auch ein Pferd. So ließ es sich leben. Den Tisch deckte weitgehend die kleinbäuerliche Wirtschaft. Geld für Zucker und Mehl, Salz und Pfeffer und was die Hausfrau noch so alles brauchte, das brachte der Mann heim. Waren die Zeiten gut, so reichte es auch für neue Schuhe, für einen neuen Kochtopf oder für einen Wintermantel. Man wusste sich einzurichten. Auch die Freuden des Lebens kamen nicht zu kurz. Es wurde gelebt, geliebt und geheiratet. Das Heimatgefühl und der Stolz auf die eigene Kraft, die Geborgenheit in der Dorfgemeinschaft, das ist schon ein Reichtum an sich. An Spaß und fröhlicher Ironie hat es auch nie gemangelt. Man wusste um die Begrenztheit des Alltags und des Lebens in den Walddörfern, man konnte damit umgehen. So ging folgende Mär in den Buschdörfern um: Wurde ein Junge geboren, so fragten Nachbarn und Freunde, ob er denn schon aus dem Fenster gesehen hätte. "Wohenn hätt he denn Utsicht hollen, no dän Busch oder na de Stadt?" Das war ein Orakel, was der Junge wohl mal werden würde. Schaute er zuerst in die Richtung des Waldes, dann hieß es: "Na denn werd he ja wull een Wilddieb (Waldarbeiter) wern!"  

Schaute der Neugeborene in Richtung Zehdenick, dann hieß es: "Na denn werd he ja wull een Murer (Maurer oder Ziegeleiarbeiter) wern!" Dass in Wirklichkeit niemand den Knaben zum Test aus dem Fenster hielt, das darf man getrost annehmen. Doch den eigenen Lebensumständen wusste man mit Humor zu begegnen.


Das Nachtgespenst

Großvater war Böttcher. Ich fand, das ist für diese Gegend ein äußerst unpassender Beruf. Außerdem habe ich ihn nur als Fuhrmann kennen gelernt. Im Wald mit seinen Pferden Holz rücken, Holztransport, Handel mit ofenfertigem Brennholz und auch Heuhandel waren sein Broterwerb. Wieso er das Böttcherhandwerk gelernt hatte, konnte ich nicht recht begreifen. Es gab weder Brauereien noch Weinberge im Heimatdorf. Außerdem gab es doch reichlich Gerätschaften für Haus und Hof aus emailliertem und verzinktem Eisen. Da versagte meine kindliche Logik.

 

Meine kindlichen Erfahrungen basierten um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, so um 1940/50. Großvaters Jugend- und Lehrjahre gingen aber auf die Zeit um 1875 zurück. Damals waren Holz und Eisen die wichtigsten Werkstoffe, die man mit handwerklichen Methoden bearbeitete. Eimer, Kraut- und Pökelfässer waren große 

Vorratsbehälter, Waschzuber und Butterfässer waren gefragte Haushaltsgeräte. Die Reihe könnte hier unendlich fortgesetzt werden. So gesehen, war Großvaters Böttcherlehre mit guten Aussichen für die Zukunft belegt. Das Handwerk ernährt ja bekanntlich seinen Meister. Und dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, erfuhr er auch sehr bald.

 

Als Böttcherlehrling war er bei einem Meister in der Stadt Zehdenick untergekommen. Nach Wochen hatte er wieder die Eltern im Dorf besuchen dürfen. Daheim mal wieder richtig satt essen. Bei Mutter die Hemden und die Socken wechseln und den Freunden im Dorf begegnen. Das alles war schon den zweieinhalbstündigen Fußmarsch durch den Wald wert. Anderntags ging es in umgekehrter Richtung wieder in die Stadt. Am Sonntagabend musste wieder der harte Strohsack beim Meister als Nachtlager bezogen werden. Mit dem

 


Bündel auf dem Rücken ging er durch die schon schummrige Vorstadt zum Hause des Meisters. Das Torhaus war nicht verschlossen. Knarrend meldeten die Türangeln den Heimkehrenden an. Aber was stand da für eine Gestalt im Wege? Er stutzte und 

zögerte kurz weiterzugehen. Ein Geist versperrte dem Lehrling den Weg zur Schlafkammer. Drohend und von erheblicher Länge wich er nicht von der Stelle. Das Herz pochte und der Puls war an Hals und Schläfen zu spüren. Doch wer Stunden zuvor durch die abendliche Heide gelaufen war, wo die Kobolde des Waldes ihre ersten Tänze aufführten, der kannte so richtige Angst schon lange nicht mehr. "Goa mi ut den Wech, segg ick di!" Keine Regung, das Gespenst rührte sich nicht vom Fleck. Einen kurzen Schritt zur Seite, und Großvater packte einen derben Knüppel. Holz stand genug zum Trocknen in der Durchfahrt des Hauses. Noch einmal: "Goa wech!" Dann ein mächtiger Hieb, und das Gespenst fiel polternd zu Boden. Es war eine lange Birkenklobe, der man ein weißes Tuch umgehängt hatte. Welch ein Glück! Eigentlich sollte unter dem Laken ein Mitlehrling spuken. Das Gelächter, aber auch die Erleichterung waren auf beiden Seiten groß. Dem Großvater war noch nach Jahrzehnten bei diesem Bericht anzumerken, dass er froh war, dass bei diesem Schabernack niemand zu Schaden gekommen war.


Der unheimliche Begleiter

Manch junger Kerl aus den Dörfern der Schorfheide suchte Lohn und Brot in der weiten Welt. Der eine oder andere fand dabei auch sein Glück, die Frau fürs Leben, ein neues Zuhause. Doch meistens wohnt ja das Glück in der Nachbarschaft, in der gleichen Straße und trägt lange Haare und kurze Röcke. Wer sich also auf den Berliner Großbaustellen oder in den städtischen Industriebetrieben verdingte, den zog es an den Wochenenden wieder heim. Dort erwartete die Mutter, die eigene Familie oder die Freundin den Heimkehrer in der warmen niedrigen Stube mit heimischer Kost. Das vertraute Platt vermittelte Geborgenheit. Gemächlich ging es zu, und die Hast der Arbeitswoche wich aus Leib und Seele.

 

Doch zuvor waren einige Entfernungen zu überwinden. Fahrrad und Auto waren schon lange taugliche Verkehrsmittel, um leichter lange Wegstrecken zu überbrücken. Das Leben in den Dörfern war aber zu 

ärmlich, um an solche Anschaffungen zu denken. So reiste man mit der Eisenbahn in der dritten Klasse. Die machte jedoch um die kleinen Buschdörfer einen großen Bogen. Wer von Groß Dölln, Kurtschlag, Grunewald oder Kappe zum Bahnhof wollte, der musste schon gut zu Fuß sein und zwei Stunden Wanderschaft durch Wald und Heide einplanen. Wer sich aber nach einer schweren Arbeitswoche nach Waldluft und Stille sehnte, den befiel die Unruhe, wenn der karge Lohn in der Hosentasche klimperte. Hauptsache der letzte Zug nach Groß Schönebeck war noch zu erreichen. Die zwei Stunden Fußmarsch durch die Heide im hellen Mondschein sollten danach kein Hindernis sein. In Groß Schönebeck raus aus dem Zug, durch die kleine Bahnhofstraße und dann rechts zur großen Kreuzung, weiter durch die Groß Döllner Straße in Richtung Heimat. Noch einige Blicke in die Fenster der letzten Häuser und weiter auf die Schlufter Chaussee in Richtung Kurtschlag. Bald verhallten die 

 


eiligen Schritte im ewigen Rauschen der Wälder und in den Stimmen der Nacht. Zusätzlich wird der Weg noch abgekürzt über des Kaisers Jagdstraße, die Lemchaussee (?). Die nächsten Kilometer geht es durch die nächtliche Heide. Ein Lied pfeifend lenkt sich der Wanderer von den vielfältigen Geräuschen ab, die an sein Ohr dringen. Zum Abend haben die kleinen Kobolde des Waldes ihre Baue verlassen. Die Mäuse suchen Futter. Ziesel und Marder sind auf Beute aus. Fuchs und Igel begegnen sich. Käuzchen und Eule betrachten neugierig den Fremdling im Revier. Im nahen Glasowsee quaken die Frösche um die Wette. Eine Rotte Wildschweine flüchtet polternd in die nächste Schonung. Hinter dem Elsengrund , an der Brücke über dem Faulen Fließ, lichtet sich der Wald. Gleichzeitig sieht man den helleren Streifen der Kopfsteinstraße. Man hat festen Boden unter den Füßen, und der Blick weitet sich. Schon seit einiger Zeit hatte der Mann das Gefühl, beobachtet zu werden. Eine Sinnestäuschung nach einer 

anstrengenden Woche? Nicht wirklich! Ein großer schwarzer Hund läuft mal seitlich, mal voraus und mal hinter dem Nachtwanderer. Tatsächlich, ein großer schwarzer Hund hier mitten im Waldrevier, 

 


vier Kilometer vom Dorf entfernt. Die Schritte werden noch eiliger, auch der Puls pocht in den Schläfen. Bloß schnell nach Hause, doch der unheimliche Begleiter ist immer in der Nähe. Endlich nähert sich der Mann der Kurtschlager Forsterei. Reeses Jagdhunde haben die eiligen Schritte auch schon vernommen, sie schlagen an. Jetzt an der Umzäunung laufen sie laut bellend neben dem nächtlichen Wanderer her. Dadurch werden die Sinne auf neue Geschehen gerichtet und die Gedanken abgelenkt. Das tut den Nerven gut. Alsbald beruhigen sich auch die Hunde der Försterei. Wieder suchen die Augen und Ohren den lästigen Begleiter. Nichts ist mehr zu sehen oder zu hören. Nur schnellen Schrittes voran, vorbei an Frankes Einsiedelei und durch die Rehberge. Endlich, da liegt das Dorf in seiner nächtlichen Ruhe. 

Das Rauschen des Waldes wird nun vom Bellen der Dorfhunde übertönt. Auch sie haben den Nachtwanderer gehört. Schon grüßt das ersehnte Ziel, das Elternhaus, im Schimmer des Mondlichts. Ein Fenster ist noch erleuchtet, und etwas Rauch kräuselt aus dem Schornstein. Jetzt ist die Flucht aus der hektischen Großstadt für ein paar Stunden beendet. Auf dem Herd simmert ein Nachtmahl, man wurde erwartet. Viele Fragen sind auf beiden Seiten zu beantworten. Ganz zum Schluss berichtet der Heimkehrer von seiner unheimlichen Begegnung "mett det olle grote schwatte Diert". Später, in den dicken, warmen Federbetten macht sich ein jeder so seine Gedanken "über dat schwatte Biest".