Wie geht's denn unseren Kühen, liebe Kurtschläger?

von Manfred Lentz

 

Es war eine schwere Geburt, hat Jahre gedauert, aber jetzt ist es geschafft: Zehdenick hat eine neue Webseite. zehdenick.net heißt sie, und seit einigen Tagen ist sie im Netz. Schon ein erster Blick zeigt, dass sie sehr umfangreich ist. Von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zweitwohnungssteuer gibt es jede Menge Informationen. Für wen sie gedacht sind, hat Bürgermeister Arno Dahlenburg in einem Vorwort geschrieben: "Unseren Internetauftritt verstehen wir als Dienstleistung an alle Bevölkerungsgruppen, Unternehmen, Vereine, Investoren und im Ehrenamt tätigen Einwohner/-innen oder Nutzer unserer Homepage aus anderen Gegenden dieser Erde."  Wow! - Zehdenick und alle "anderen Gegenden dieser Erde", hört sich eindrucksvoll an. Aber warum nicht, im Zeitalter der Globalisierung sind wir alle ein großes Dorf, da kann man schon auf den Gedanken kommen, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Was die Frage aufwirft, auf welche Weise man das macht. Und genau dieser Frage will ich nachgehen, allerdings nicht bezogen auf Zehdenick insgesamt, das wäre viel zu umfangreich, sondern auf einen jener 13 Ortsteile, "die die heute lebenswerte Havelstadt mit ihrem eigenen Charme prägen", wie es auf zehdenick.net heißt. Bezogen auf Kurtschlag.

 

Zu finden sind die entsprechenden Informationen, indem man zuerst "Stadtleben" anklickt, dann "Ortsteile" und dann eben "Kurtschlag". Unter "Daten und Fakten" erfährt man, dass Horst Raßmann der Ortsvorsteher ist und Hans-Jürgen Steddin der Ortsbeirat, dass die Einwohnerzahl sich auf 268 beläuft (welches Jahr?) und die Gründung  am "07.05.1749" erfolgte. Unter dem Stichwort "Sehenswürdigkeiten" werden die Schorfheide aufgelistet und die evangelische Kirche, ein "neugotischer roter Klinkerbau", errichtet in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts (das bekanntlich von 1751 bis 1800 dauerte; unsere Kirche wurde 1890 gebaut) und von der nur noch die Kapelle vorhanden sei. Welche Kapelle? Ist mir da bisher etwas entgangen?

 

Auf die "Daten und Fakten" folgt "Historisches" (hatten wir das nicht gerade?), wobei wir in dem knappen Text u.a. die offenbar wichtige Information erhalten, dass Kurtschlag mal "Curthschlag" und dann "Curtschlag" geschrieben wurde, also ohne das h hinter dem t. Letzteres eine Schreibweise aus dem Jahr 1775, als das Dorf "insgesamt ca. 180 Einwohner" hatte - eine Zahl, die danach in Folge der Koalitionskriege wieder abnahm, jedoch "während des restlichen 19. Jahrhunderts" wieder anstieg. Wirklich spannend, der Auf- und Abstieg der Bevölkerungszahl! Doch das ist noch nicht alles. Nach

dem völlig inhaltsleeren Satz "Wirtschaftlich entwickelte sich die 

Ortschaft wie ein typisches märkisches Straßendorf der damaligen Zeit" werden mehrere Berufe erwähnt, die in Kurtschlag eine Rolle spielten, dann der Anstieg der Einwohnerzahl als Folge des Zweiten Weltkriegs bis 1946 (schon wieder die Einwohnerzahl!), und schließlich wird der Text über unser Dorf mit einem Satz beendet, der  in seiner Funktion als Schlusssatz so unsäglich dumm ist, dass er kaum zu toppen ist: "Ab Ende der 50er Jahre begann in Kurtschlag der Aufbau von zwei Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG)." Und das war's, zwei LPG bilden den Endpunkt unserer Geschichte. Und so gehen wir Kurtschläger denn auch heute noch auf unsere Genossenschaftsäcker, melken unsere Genossenschaftskühe, und wenn wir nicht gestorben sind ... Ich weiß nicht, wer für die Zehdenicker Webseite zuständig war - aber ist ein solcher Unsinn denn niemandem aufgefallen?!

 

Und dann sind da noch die Vereine. Leute von außerhalb sind immer wieder erstaunt, wenn sie erfahren, wie viele Aktivitäten es in einem so kleinen Ort wie Kurtschlag gibt. Erwähnt wird auf zehdenick.net der Sportverein, außerdem ist in einer Auflistung der Feuerwehren auch die aus Kurtschlag enthalten, aber das war's denn auch schon. Dass es daneben noch eine Kirchengemeinde und eine Ortsgruppe der Volkssolidarität gibt, dass wir einen Kulturverein mit stolzen 30 Mitgliedern haben, die Tanzgruppe "Westernladies" und eine Samba-Percussion-Band namens "Os Velhos Sambeiros" - dass es all diese Gruppen gibt , die im Leben unseres Dorfes ("eines von 13 Ortsteilen, die die lebenswerte Havelstadt mit ihrem eigenen Charme prägen") eine wichtige Rolle spielen, ist den Machern von zehdenick.net verschlossen geblieben. Ebenso wie der Umstand, dass Kurtschlag anders als die übrigen Ortsteile (mit Ausnahme von Klein-Mutz) seit mehr als einem Jahr mit kurtschlag.de über eine eigene Webseite verfügt (und mit buschdorf-kuenstler.de seit kurzem sogar über eine zweite). Um nicht falsch verstanden zu werden: Das alles müssen Nicht-Kurtschläger nicht unbedingt wissen - nur wenn sie sich daranmachen, auf einer neuen, also aktuellen Webseite die Stadt Zehdenick einschließlich der dazugehörigen Ortsteile zu präsentieren, dann sollten die Verantwortlichen das nicht nur wissen, dann müssen sie es. Wenn dann noch Allgemeinwissen hinzukäme, die Kompetenz, einen informativen Text zu schreiben und last but not least die Fähigkeit, ein paar akzeptable Fotos hinzuzufügen - gab es denn bei den Machern niemanden, der Bildbearbeitung beherrscht?! -, dann könnte am Ende ein überzeugendes Ergebnis herauskommen. Könnte - nur im Fall von Kurtschlag auf der Webseite zehdenick.net ist es das leider nicht.