1. Kriegsende

Er liegt auf dem Friedhof des Moskauer Neujungfrauenklosters, und ich brauche nicht lange, bis ich sein Grab gefunden habe. Ein Porträt von ihm ziert den Stein, darunter ist in kyrillischen Buchstaben sein Name zu lesen: Ilja Ehrenburg. Als ich im September 2018 am Ort seiner letzten Ruhe stehe, ist unser "Russen-Projekt" bereits geplant, und weil ich weiß, dass Ehrenburg in diesem Zusammenhang eine Rolle spielte, will ich sein Grab sehen. Als einen der "produktivsten und profiliertesten Autoren der Sowjetunion" beschreibt ihn das Online-Lexikon Wikipedia. Bis zu seinem Tod im Jahr 1967 hat er mehr als 100 Romane und unzählige Aufsätze veröffentlicht, dazu rund 1.500 Artikel, in denen er das Kriegsgeschehen kommentiert hat. Wenn mir sein Name bekannt ist, dann nicht zuletzt deshalb, weil er sich in diesen Artikeln so emotional über die Deutschen geäußert hat wie kaum ein anderer. Aus seiner Feder stammt unter anderem der Aufruf, der unter der Überschrift "Töte!" im Juli 1942 in der Armeezeitung "Krasnaja Swjesda" veröffentlicht und aus dem in der Folgezeit immer wieder zitiert wurde. Wegen Ehrenburgs ungeheurer Popularität unter den Soldaten der Roten Armee muss davon ausgegangen werden, dass viele oder sogar die meisten von ihnen sich noch an seine Worte erinnerten, als sie im Jahr 1945 in 

Deutschland einmarschierten und damit auch in jene Dörfer, um die es in unserer Untersuchung geht: "Die Deutschen sind keine Menschen", schreibt der Autor. "Von nun an ist das Wort 'Deutscher' für uns wie ein entsetzlicher Fluch. Von jetzt an lässt das Wort 'Deutscher' das Gewehr von allein losgehen. Wir werden nichts sagen. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn du nicht pro Tag wenigstens einen Deutschen getötet hast, war es ein verlorener Tag. ... Wenn du den Deutschen leben lässt, hängt er den russischen Mann auf und schändet die russische Frau. Wenn du einen Deutschen getötet hast, töte einen zweiten - nichts stimmt uns froher als deutsche Leichen. Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Werste (*). Zähle nur eins: die von dir getöteten Deutschen. Töte den Deutschen! bittet dich die alte Mutter. Töte den Deutschen! fleht dich das Kind an. Töte den Deutschen! schreit die Heimaterde. Ziel nicht vorbei. Triff nicht daneben. Töte!"

(*) Altes russisches Längenmaß.

 

Drastische Worte, die in ihrer Brutalität kaum noch zu übertreffen sind! Zwar hat Ehrenburg seine Haltung bis zum Ende des Krieges abgeschwächt, doch die Worte waren nun einmal in der Welt, und die



nationalsozialistische Propaganda hatte sie wieder und wieder für ihre eigenen Zwecke benutzt. Passten sie doch ausgezeichnet in das Bild, das man den Deutschen von dem Feind im Osten seit Jahren zu vermitteln suchte. Und in dem man mit drastischen Worten ebenfalls nicht geizte. Da war von "slawischen Horden" die Rede, von "Unmenschen" und "seelenlosen Kampfmaschinen" mit "jüdisch-bolschewistischen Fratzen". Faul sei "der Iwan", schmutzig und arm, außerdem zäh, hart und verbissen. Und grausam: er morde und vergewaltige, zerstöre Besitz und zünde Häuser an, plündere und misshandele und tue überhaupt alles, was sich an Schlechtigkeit ausdenken ließ. Entsprechend hieß es denn auch, dass "die europäische Kultur ... abgelöst werden (würde) von der grauenhaftesten Barbarei aller Zeiten", sollten die Russen jemals deutsches Territorium erreichen. In einer Zeit ohne all jene  technischen Möglichkeiten, mit denen wir uns heute die Welt ins Wohnzimmer holen, in der es den Rundfunk zwar bereits gab, das Hören ausländischer Sender wie der Londoner BBC aber unter Strafandrohung verboten war, in einer solchen Zeit muss davon ausgegangen werden, dass die endlose Wiederholung eines derartigen Vokabulars bei den Adressaten nicht ohne Wirkung bleiben konnte.

Antisowjetische Hetze ohne Ende also. Doch wenn man die Bewusstseinslage der Deutschen am Kriegsende verstehen will, muss man noch etwas anderes miteinbeziehen: das Wissen um die ungeheuren Schäden, die Hitler-Deutschland in der Sowjetunion angerichtet hatte. Ein zunächst noch verschwommenes Wissen. So war etwa die Zahl von 27 Millionen Toten nicht gleich am letzten Kriegstag bekannt, es gab keine auch nur annähernd exakten Angaben über den Umfang der materiellen Zerstörungen, und auch über Einzelheiten der von Deutschen begangenen Kriegsverbrechen war die breite Öffentlichkeit zu jenem Zeitpunkt allenfalls in Ansätzen unterrichtet. Dass der deutsche Überfall auf die Sowjetunion indes kein harmloser Spaziergang gewesen war, sondern ein grausamer, Menschen und Material in ungeheuren Ausmaßen verschlingender Krieg - dieser Umstand konnte auch den Dümmsten und den Verblendetsten nicht verborgen geblieben sein. Von daher war die tiefempfundene Furcht vieler Deutscher am Kriegsende nur allzu verständlich: "Behüte uns Gott, wenn die Russen uns eines Tages für unsere Taten zur Rechenschaft ziehen!"

 

Dies also war die Ausgangslage, als die Russen mit den Menschen in unseren Dörfern am letzten Sonntag im April 1945 aufeinandertrafen. 


Militärgerät der Roten Armee (Teil 1), ausgestellt im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst

Eine Ausgangslage, wie sie schwieriger wohl kaum hätte sein können.

 

Wie die Russen von Groß Dölln auf Kurtschlag vorrückten, wie sie die Sprengung der Brücke über das Döllnfließ durch ein abziehendes SS-Kommando fehlinterpretierten und daraufhin drei Granaten abschossen, habe ich im Vorwort kurz dargestellt. Bei der Gaststätte Ney am Abzweig von der Döllner Chaussee in die Dorfstraße teilte sich die russische Kolonne. Ein Teil setzte den Weg Richtung Westen fort, der andere rückte ins Dorf ein. Spätestens jetzt - bei Annäherung an das Döllnfließ - musste den Russen klar geworden sein, dass es sich bei der Explosion kurz zuvor nicht um deutsche Abwehr gehandelt hatte, sondern um die Sprengung der Brücke mit der Absicht, den russischen Vormarsch zu behindern. Der Bericht einer Zeitzeugin über das, was dann geschah, ist die erste Information über die Anwesenheit der Russen in Kurtschlag, die wir besitzen. Danach machten die Soldaten vor dem Fließ halt, offenbar weil sie nicht ausschließen konnten, dass die Deutschen den Übergang vermint hatten. Um kein Risiko einzugehen, ließ der russische Befehlshaber Kühe herbeiholen und durchs Wasser treiben, und erst als sich das Fließ als frei von Minen erwies, setzte die Militärkolonne ihren Weg fort.

Eine zweite Information über den Einmarsch der Russen in Kurtschlag am 28. April entnehmen wir der Dorfchronik. Geschildert wird dort eine Aktion des Kurtschlägers Karl Brünger (für manche war er später "der Held von Kurtschlag") in Begleitung des damals zehnjährigen Manfred Tetzlaff. Brünger hatte zu denen gehört, die sich wie viele andere Kurtschläger vor den heranrückenden Russen im Wald in Sicherheit gebracht hatten. Als die Truppen sich dem Dorf näherten, machte er sich zusammen mit Manfred Tetzlaff mit Fahrrädern auf den Rückweg nach Kurtschlag, in der Absicht, vor Ankunft der Russen auf dem Kirchturm eine weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation anzubringen. Eine solche Aktion hatte es zuvor in Groß Dölln gegeben. Dort hatte der Kaufmann Wilhelm Giese die Hakenkreuzfahne am Kirchturm durch eine weiße ersetzt, mit der Folge, dass in Groß Dölln kein einziger Schuss gefallen war und es keine Zerstörungen gegeben hatte. Das Gleiche wollte Brünger für Kurtschlag erreichen. Doch noch bevor er seine Absicht durchführen konnte, war mit der Sprengung der Brücke und der russischen Antwort darauf in Gestalt der drei abgefeuerten Granaten seine Mission auch schon gescheitert. Als keine weiteren Schüsse abgegeben wurden, setzten er und Tetzlaff ihre Fahrt fort. Aus Richtung des Eichendamms kommend trafen sie bei den Rehbergen



auf russische Soldaten zu Pferde. Brünger und sein Begleiter wurden von den Soldaten angehalten, und ehe sie es sich versahen, hatten die Russen ihnen die Fahrräder abgenommen. (Schon am  nächsten Tag sah Tetzlaff sein Fahrrad an einem Zaun lehnen.) Mehr ist den beiden diesem Bericht zufolge offenbar nicht geschehen. Wie hatte Ilja Ehrenburg seinerzeit doch so martialisch geschrieben? "Töte den Deutschen!" Und nun?!

 

Was Brünger und Tetzlaff nicht wissen konnten, und was vermutlich auch die übrigen Kurtschläger sowie alle anderen Bewohner der von der Roten Armee besetzten Zone nicht oder nur in Ausnahmefällen mitbekommen hatten, war die Tatsache, dass die politische Linie der Sowjetunion gegenüber Deutschland nicht mehr dieselbe war. Seit Ehrenburgs "Töte!" waren mehr als zwei Jahre vergangen, in denen sich die militärische Situation grundlegend geändert und Stalin seine Politik neu orientiert hatte. Ein Artikel in der "Prawda" zwei Wochen vor der missglückten Mission der beiden Kurtschläger brachte das zum Ausdruck. Unter der Überschrift "Genosse Ehrenburg vereinfacht" stand dort zu lesen: "Die Rote Armee, die ihre große Befreiungsmission erfüllt, führt einen Kampf um die Liquidation der 

Hitler-Armee, des Hitler-Staates und der Hitler-Regierung, aber sie hatte und hat sich niemals die Aufgabe gestellt, das deutsche Volk zu vernichten." Ähnlich ein anderer Artikel: "Die Politabteilungen führen eine umfangreiche Arbeit in den Truppen durch, erklären, wie man sich gegenüber der Bevölkerung verhalten müsse, um unverbesserliche Feinde von den ehrlichen Menschen, mit denen wir sicher noch viel arbeiten müssen, zu unterscheiden ... Ehrlich gesagt, fällt es vielen unserer Kämpfer schwer, diese Haltung eines taktvollen Umgangs mit der Bevölkerung einzunehmen ... Aber wir haben eine strenge Disziplin. Wahrscheinlich werden Jahre vergehen und vieles wird sich ändern." Und die Verfasserin des Artikels schließt mit einem Satz, der in der damaligen Situation durch seine Perspektive verblüfft: "Vielleicht fahren wir einst sogar als Gäste zu den Deutschen, um uns die heutigen Schlachtfelder anzusehen. Aber bis dahin muss noch viel in der Seele verglühen ... Vieles ist noch zu nahe."

 

Was in den Köpfen der russischen Soldaten vor sich ging, als sie in unsere Dörfer einmarschierten, wissen wir nicht. Wohl aber wissen wir, wie sich ihr oberster Befehlshaber das weitere Vorgehen in den 


Militärgerät der Roten Armee (Teil 2), ausgestellt im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst

besetzten Gebieten vorstellte: dass er unterscheiden wollte zwischen dem Hitlerregime und den "ehrlichen Menschen", denen man zwar hart und entschlossen, aber nicht grausam und rachsüchtig gegenübertreten wollte. Was die Frage aufwirft: Wer waren diese "ehrlichen Menschen"? Und wenn es "ehrliche" gab, wer waren die "unehrlichen"? Eine sprachliche Unterscheidung, die sich wohl zwangsläufig in einer unterschiedlichen Behandlung der jeweiligen Gruppen ausdrücken musste. Doch bevor ich - am Beispiel Kurtschlags - zeigen werde, was diese Unterscheidung für das Vorgehen der Russen bedeutete, will ich kurz noch die Frage zu beantworten versuchen, wie viele Menschen am Ende des Krieges hier überhaupt lebten.

 

Konkrete Angaben konnte ich für die Jahre 1939 (618 Einwohner) und 1940 (599 Einwohner) finden, für die Entwicklung während des Krieges und für das Kriegsende dagegen liegen mir keine Zahlen vor. Allerdings wäre für unsere Zwecke ohnehin nicht die Zahl der 1945 amtlich registrierten Kurtschläger interessant, sondern die Zahl sämtlicher Menschen, die zu diesem Zeitpunkt im Dorf lebten. Dazu gehörten neben Berlinern, die wegen der Bombenangriffe ihre Stadt

verlassen hatten, auch zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten. Menschen, die im Verlauf der Kriegshandlungen vor der Roten Armee geflohen waren und sich - nur mit den notwendigsten Habseligkeiten im Gepäck - auf den Weg gen Westen gemacht hatten. Noch bevor die Russen brandenburgisches Territorium überhaupt erreicht hatten, sahen die Kurtschläger Tag für Tag Flüchtlingstrecks durch ihr Dorf ziehen, Männer und Frauen mit bis zum Äußersten beladenen Pferde- oder Handwagen, neben denen ausgemergelte Kinder herliefen und das gerettete Vieh. (Ein Anblick, der bei den Kurtschlägern die Angst vor dem auf sie Zukommenden noch kräftig geschürt haben dürfte.) Für die meisten Flüchtlinge war Kurtschlag nur eine Zwischenstation auf ihrem Weg. Manche brachten im Dorf lediglich eine Nacht zu und setzten am nächsten Tag ihre Flucht fort, andere legten eine längere Pause ein und zogen dann weiter, wieder andere kamen dauerhaft in Kurtschlag unter. Für die unmittelbare Nachkriegszeit habe ich Schätzungen gefunden, die sich auf etwa 800 Menschen in Kurtschlag im Jahr 1945 und etwa 700 im darauffolgenden Jahr belaufen. In Groß Dölln scheint die Zahl höher gewesen zu sein. So heißt es in einer Kurzchronik: "1943/45 müssen auch in Dölln viele Berliner Familien, die vor den Bomben evakuiert wurden, untergebracht



werden, später kommen Kriegsflüchtlinge aus den Ostgebieten hinzu. Dölln hat dadurch bis zu 1.000 Einwohner."

 

So viel zur Zahl der Einwohner am Kriegsende, kehren wir nun zur Frage nach deren Behandlung durch die Russen zurück. Drei unterschiedliche Gruppen lassen sich feststellen, und für jede von ihnen fiel die Behandlung unterschiedlich aus. Da war zunächst einmal die Gruppe der tatsächlichen oder vermeintlichen Nazis, die das gestürzte politische System mitgetragen hatten. Die Kurtschläger Dorfchronik nennt in diesem Zusammenhang die Namen von sechs Personen, die zu Pfingsten 1945 von der Besatzungsmacht verhaftet wurden: der Bürgermeister Wilhelm Schäfer, der Revierförster und Ortsgruppenleiter der NSDAP Scholz sowie Karl Krugler und die Brüder Wilhelm und Fritz Schwefel. Auch der zum damaligen Zeitpunkt bereits in Zehdenick ansässige Richard Rieck, vor Scholz Ortsgruppenleiter und lange Zeit Lehrer in Kurtschlag (auf mehreren unserer alten Schulfotos ist er zu sehen), wurde abgeholt. Alle Sechs verschwanden in Internierungslagern, aus denen nur Wilhelm und Fritz Schwefel zurückkehrten. Vergleichbare Fälle hat es auch in den anderen Dörfern der Umgebung gegeben. Dass von solchen

Festnahmen neben den tatsächlich Schuldigen immer wieder auch zu Unrecht Verdächtigte betroffen waren, ist bekannt. Erwähnt werden sollen im Zusammenhang mit dem Vorgehen der Russen gegen Vertreter des alten Regimes die Berichte von zweien unserer Gesprächspartner: Der eine bezieht sich auf einen Mann in Grunewald, der noch vor dem Eintreffen der Russen aus Angst vor diesen seine Frau und seine Kinder erschoss und anschließend seinem eigenen Leben ein Ende setzte. Der andere Bericht erwähnt einen Mann in einem nicht näher bezeichneten Dorf in der Umgebung, der sich am Kriegsende aus Angst vor den Russen die Pulsadern aufschnitt, danach aber ausgerechnet von diesen gerettet wurde.

 

Eine zweite Personengruppe nach den Nazis als den Feinden der Sowjetunion bildeten deren Freunde, zum Teil Sozialdemokraten, vor allem aber Kommunisten, die sich dem Land der Oktoberrevolution auf besondere Weise verbunden fühlten. Zu ihnen gehörten in Kurtschlag die Männer um Erich Freitag, die wegen ihres Widerstandes gegen die nationalsozialistische Diktatur verfolgt worden waren und für die mit dem Sieg ihres großen Vorbildes 


Dokumente aus der unmittelbaren Nachkriegszeit

Sowjetunion eine völlig neue Situation eingetreten war. Was für die meisten ihrer Mitbürger eine Besatzung durch eine ausländische Macht als Folge eines verlorenen Krieges war, stellte sich für sie als ein Akt der Befreiung ("vom Hitlerfaschismus") dar, eine in ihren Augen uneingeschränkt positive Entwicklung, ebenso wie die bald einsetzende Übernahme des sowjetischen Sozialismus-Modells. Seite an Seite mit den Kommunisten der UdSSR wähnten sich diese Genossen in unseren Dörfern auf der Straße der Sieger. Wie groß die Zahl derer war, die einer solchen Weltsicht anhingen, muss allerdings offen bleiben, da genauere Angaben nicht vorliegen.

 

Während sich also für die einen der Einmarsch der Roten Armee als eine persönliche Katastrophe darstellte und andere ihn im Gegenteil entschieden begrüßten, gab es noch eine dritte Gruppe: die weitgehend Unpolitischen, die nichts sehnlicher wünschten, als zusammen mit ihren Angehörigen ein ruhiges und auskömmliches Leben zu führen. Menschen, die in der Schlussphase des Dritten Reiches vor allem von einem Gefühl der Angst beherrscht worden waren, wie ich sie am Anfang dieses Kapitels beschrieben habe: Angst vor den immer näher heranrückenden "roten Bestien", die sich 

binnen kurzem nicht nur auf die Funktionsträger der NS-Diktatur stürzen würden, sondern gleichermaßen auf alle "einfachen Menschen". Wie also sich verhalten beim Einmarsch der Russen? war deshalb die drängende Frage, die diese Menschen in unseren Dörfern bewegte. Zwei Antworten waren möglich: im Dorf bleiben und abwarten oder eine zeitlich begrenzte Flucht. Was letztere anbelangt, so verfügen wir dank der Kurtschläger Dorfchronik über recht gute Informationen.

 

Danach verließen am Samstag, den 27. April, zahlreiche Kurtschläger das Dorf, nachdem ferner Kanonendonner das Herannahen der Front angekündigt hatte. Schon seit Tagen hatten sie im Wald Verstecke für sich selbst und für ihr Vieh vorbereitet, um sich vor den russischen Soldaten in Sicherheit zu bringen. Der Dorfchronik zufolge gab es drei Fluchtrichtungen: "Wer an der Döllner Chaussee oder in ihrer Nähe wohnte, zog mit Vieh und Wagen den Blockhausdamm entlang in die dichten Wälder. Ein Teil der im alten Dorfkern wohnenden Leute floh in die Dickungen hinter den beiden Ausbauhäusern. Dort sind die zum Verstecken erweiterten alten Lehmgruben noch heute zu erkennen. Die letzte Gruppe trieb ihr Vieh und beladene Pferdewagen 



zum Bullenwinkel hinter die Rabensberge." Als Transportmittel diente unter anderem das neue Feuerwehrauto, das dann allerdings wegen Spritmangels unterwegs stehengelassen werden musste. Im Wald richteten sich die Menschen in ihren Verstecken ein. Dem Bericht einer Zeitzeugin zufolge hatten sie auch Hühner und Hähne mitgenommen. Als die Hähne zu krähen begannen und damit die Gefahr heraufbeschworen, dass die Russen auf die Verstecke aufmerksam gemacht würden, wurden sie kurzerhand geschlachtet. Die ganze Nacht über harrten die Geflüchteten im Wald aus. Es war eine Nacht voller Sorgen, wussten sie doch nicht, was sie bei der Rückkehr in ihr Dorf erwarten würde.

 

Die meisten Einwohner indes hatten das Dorf nicht verlassen, sondern waren geblieben aus Sorge um ihren Besitz und weil Tiere versorgt werden mussten. Von irgendwelchen Aktionen ihrerseits gegen die einmarschierenden Russen ist nichts bekannt, allerdings wären derartige Aktivitäten angesichts des eklatanten Machtungleichgewichts beider Seiten auch kaum zu erwarten gewesen. Viel eher ist anzunehmen, dass diese Kurtschläger zitternd und mit heftig klopfenden Herzen hinter ihren Fenstern gestanden

und darauf gelauert haben, welches Schicksal sie in den nächsten Stunden erwarten würde. Die Angst um das eigene Leben dürfte sich dabei mit der Furcht vor Verlust ihres Eigentums gemischt haben, etwa durch Diebstahl, Zerstörung oder Brandschatzung, eben allem, was eine extrem angespannte Fantasie sich in einer solchen Situation vorzustellen vermochte. Und dann war da noch die Angst vor Vergewaltigungen, die wie ein Damoklesschwert über den Frauen und Mädchen hing. Ein Thema, auf das ich wegen seines besonderen Stellenwerts im Zusammenhang mit dem Kriegsende gesondert im nächsten Kapitel eingehen werde.

 

Nachdem die Russen das Dorf besetzt hatten, wurden sämtliche Häuser durchsucht, berichtete uns einer, der die Situation miterlebt hat. Besonders wertvollen oder nützlichen Besitz hatten die Kurtschläger versteckt, manches davon vergraben. Was den Russen in die Hände fiel, nahmen diese teils als Beutegut mit, teils wurde es zerstört, während gleichzeitig die Eigentümer von den Soldaten auf die eine oder andere Weise drangsaliert wurden - das Verhalten siegreicher Militärs, wie es in der Geschichte tausendfach überliefert ist. Allerdings hätte es in diesem Fall nicht geschehen dürfen. 


Ein Dorf am Rande des Flugplatzes: Kurtschlag

Schließlich verstand sich die Rote Armee nicht als eine Armee traditioneller Art, die "einfach nur" ein anderes Land besiegt hatte, sondern als der bewaffnete Arm eines sozialistischen Staates, der die Menschen in dem unterlegenen Staat von einem verbrecherischen System befreit hatte. Doch war ein entsprechendes Verhalten ihrer Soldaten von der russischen Militärführung auch immer wieder angemahnt worden, so stand in der konkreten Situation vor Ort jeweils ein einzelner Mensch - und das war oft genug einer, der randvoll war mit traumatisierenden Erlebnissen, Zeuge vielleicht von unsäglichen Grausamkeiten und in vielen Fällen leidend unter dem Verlust geliebter Angehöriger. Eine kaum erträgliche Ausnahmesituation, in die eine größenwahnsinnige Politik die Menschen getrieben hatte.

 

Das Zusammentreffen von Russen und Deutschen hatte aber auch noch eine andere, weniger dramatische Dimension, über die uns unsere Gesprächspartner wiederholt berichtet haben. Ein Beispiel soll das illustrieren: Da war von einem russischen Soldaten die Rede, der einer Frau das Fahrrad stahl und es gleich darauf wieder wegwarf, weil er damit nicht zurecht kam. Von der Überlegenheit des 

Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus hatten russische Parteiideologen der Bevölkerung immer wieder vorgeschwärmt, doch schon bei ihrem Einmarsch in Ostpreußen hatten die Soldaten erfahren müssen, dass das Gegenteil der Fall war. Dass die vermeintlich unterlegene Welt in Wahrheit hoch entwickelt war und einen Lebensstandard aufwies, von dem die Menschen im "Vaterland der Werktätigen" nur träumen konnten. Ein Kulturschock auf russischer Seite war die Folge - und auf deutscher Seite das Gefühl, die von der NS-Propaganda endlos wiederholte Behauptung von der Unterlegenheit der Russen entspräche der Wahrheit. Ein Gefühl im übrigen, das vom Prinzip her während der gesamten DDR-Zeit weitgehend erhalten bleiben sollte.

 

Menschen, die bereits vor den Soldaten die Erfahrung dieses unterschiedlichen Entwicklungsstandes gemacht hatten, waren jene Russen, die als Zwangsarbeiter (zum Teil handelte es sich um Kriegsgefangene) aus der Sowjetunion nach Deutschland verschleppt und als Arbeitskräfte unter anderem in der Landwirtschaft eingesetzt worden waren. Die Angaben über Zwangsarbeiter in der Kurtschläger Dorfchronik sind nicht eindeutig. So ist von drei russischen und 



"ungefähr zehn" französischen "Kriegsgefangenen" die Rede, die Bauern als Helfer zugeteilt waren. "Sie wurden bewacht und wohnten gemeinsam im Arbeiterhaus von Willi Seefeld I im Neuen Kietz. Einige Franzosen waren zeitweise im Ausbau 2 bei Anna Viehöfer untergebracht." Die Arbeitsbedingungen für diese Zwangsarbeiter werden in der Chronik als recht positiv geschildert, allerdings bezieht sich diese Schilderung wohl eher auf die Franzosen, die der NS-Ideologie zufolge derselben "Rasse" angehörten wie die Deutschen, und nicht auf die als "slawische Untermenschen" bezeichneten Russen. Von einem der von uns Befragten stammt die Information, wonach bei einem Kurtschläger Bauern "junge Frauen aus der Ukraine" gearbeitet hätten und bei einem anderen Bauern "ein Russe". Für Groß Dölln werden in der dortigen Kurzchronik ebenfalls Kriegsgefangene erwähnt. Für sie habe es an der Vietmannsdorfer Straße ein "Lager" gegeben.

 

Ein Bericht eines Zeitzeugen über russische Zwangsarbeiter liegt uns für Storkow vor. Dort sollen einige von ihnen von einzelnen Dorfbewohnern sehr schlecht behandelt worden sein, weshalb sich diese Storkower am Kriegsende aus Angst vor Rache das Leben

nahmen. In "einigen" Fällen - so erzählte uns ein anderer - sollen solche Dorfbewohner nach der Besetzung durch die Russen von diesen an Autos gebunden und durch die Straßen geschleift worden sein. Was stimmen mag oder auch nicht, jedenfalls konnten wir von anderen Befragten für solche Vorfälle keine Bestätigung erhalten.

 

Während Angst das Leben der Kurtschläger in den Tagen nach dem Einmarsch der Russen beherrschte, während die vorübergehend aus dem Dorf Geflüchteten in ihre Häuser zurückkehrten, in Berlin die letzten erbitterten Gefechte geführt wurden und die Kapitulation Deutschlands unmittelbar bevorstand, richteten die Russen sich in ihrer neuen Umgebung ein. Da eine deutsche Staatsgewalt nicht mehr existierte, lag die Macht ausschließlich bei der Roten Armee, und hier konkret bei dem Ortskommandanten. Für Kurtschlag haben uns Zeitzeugen drei Gebäude genannt, in denen dieser Kommandant seinen Sitz gehabt haben soll. Ob das nacheinander der Fall war oder ob es bedeutet - was eher anzunehmen ist -, dass drei Gebäude von dem Kommandanten sowie anderen russischen Militärs gleichzeitig genutzt wurden, ließ sich nicht feststellen. Genannt wurden das Haus Döllner Chaussee 24 sowie die Häuser in der Dorfstraße 50 und 53. 



Einige Gebäude wurden von den Russen als Lazarette genutzt. Dazu heißt es in der Dorfchronik: "In den ersten Tagen ... wurden für kurze Zeit einige Häuser an der Nordseite der Döllner Chaussee beschlagnahmt und zu Lazaretten umfunktioniert. ... Nach Kriegsende im Mai konnten die Leute ihre Häuser wieder beziehen, denn die Lazarette wurden aufgelöst." Zeitzeugen erinnerten sich in Gesprächen mit uns an solche Einrichtungen in den Häusern Döllner Chaussee 24 und 25. - Erwähnt werden soll noch ein russischer Friedhof, den es vorübergehend in Kurtschlag gab: "... vor dem Faulen Graben entstand ein Friedhof für die sowjetischen Gefallenen. Sie wurden erst nach einigen Jahren auf den Soldatenfriedhof in Zehdenick umgebettet." Einem Zeugen zufolge befand sich dieser Friedhof links der Straße in Richtung Zehdenick. "Etwa ein halbes Dutzend" Russen wurden dort beigesetzt, die Särge wurden im Dorf hergestellt. Laut einem Gemeindebericht aus dem Jahr 1948 reichte "Frau Langer, auf deren Grundstück der sowjetische Friedhof angelegt worden war, einen Antrag zur Entschädigung für die Nutzung ihrer Fläche ein."

Übersetzung: "Schema des Begräbnisplatzes gestorbener Verwundeter und Kranker im Monat April 1945. Beerdigt am westlichen Rand des Dorfes Kurtschlag." (Am linken Rand ist die Begräbnisstätte vermerkt.)



Nicht klären konnten wir, ob es in Kurtschlag eine Unterbringung  von Soldaten in Privathäusern gegeben hat, allerdings dürfte das vermutlich der Fall gewesen sein. Für Groß Dölln wurde uns eine solche Einquartierung ausdrücklich bestätigt: "Die Kommandantur wurde über längere Zeit im Pfarrhaus eingerichtet, Häuser wurden mit Soldaten belegt beziehungsweise ausgeräumt (Betten, Schränke, wohl auch ein Klavier) für mehrere Lager (Baracken) am Lotziner Forsthaus (Großer Lotzinsee) und am Großen Döllnsee, wo sich die Armee für den Sturm auf Berlin vorbereitete." Die Unterkünfte am Großen Lotzinsee wurden einem anderen Zeitzeugen zufolge Ende des Jahres wieder abgebaut. Eine weitere Unterbringung außerhalb der Dörfer erwähnt die Kurtschläger Dorfchronik: "Für acht Wochen schlugen mongolische (*) Reitertruppen auf den Storkower Wiesen ihr Lager auf, und noch viel länger hausten sowjetische Truppen in Zelten im Waldgelände an der Schlufter Straße gegenüber dem Entenparadies an den Beutlingswiesen."

(*) Mongolische Truppenteile hat es in der Roten Armee nicht gegeben. Es dürfte sich um Soldaten aus den mittelasiatischen Sowjetrepubliken gehandelt haben, also um Usbeken, Kirgisen und andere.

Eine Frage, die wir ebenfalls nicht klären konnten, ist die nach der zeitlichen Dauer der russischen Präsenz in Kurtschlag. Dafür haben wir von unseren Gesprächspartnern einiges über die Kontakte erfahren, die es in dieser Zeit zwischen den Russen und den Dorfbewohnern gegeben hat:

- So wurden die in der Kommandantur in der Dorfstraße 53 anwesenden Russen von der Frau des Hauses mit Essen versorgt. Verlangt wurden immer wieder Eier mit Speck, erzählte man uns. Hatte die Hausfrau keinen Speck, haben die Russen welchen "organisiert". Auch für genügend Brot haben sie gesorgt. Anfänglich musste ein Deutscher das zubereitete Essen vorkosten, d.h. offenbar hatten die Russen Angst vor einer Vergiftung.

- Mehrere Kurtschläger erinnerten sich daran, dass die Russen nicht nur mit Panzern und anderem Militärgerät unterwegs waren, sondern auch mit "vielen Pferden". Abgestellt wurden die Tiere zum Teil in den Rehbergen, wo einem Zeitzeugen ihre "mitunter grobe Behandlung" aufgefallen ist. In der Schmiede von Herrmann Ney im Neuen Kietz ließen die Russen ihre Pferde beschlagen. Das Folgende erfuhren wir in einem Gespräch mit einem Döllner: "Nach dem Einmarsch der Russen in Dölln machten hier auch Reitertrupps Pause und 


Ein Dorf am Rande des (späteren) Flugplatzes: Kurtschlag

Das linke Foto wurde 1947 in der Gaststätte Ney aufgenommen; es zeigt links Erich Freitag: ehemaliger Kommunist, Mitglied der 1946 gegründeten SED, mit guten Kontakten zu den Russen, siehe dazu den ausführlichen Artikel; rechts der Gasthof "Zum Mittelpunkt der Erde")

sammelten sich neu. Die Pferde weideten unterm Dorf auf den Wiesen. Einige der Tiere sind hier krepiert, an was ist nicht bekannt, und waren wohl nicht mehr genießbar. Sie wurden auf einer Brachfläche am Eingang des Dorfes (heute Wald) zwischen den Häusern Nr. 26 und 27 tief in einer Senke verscharrt."

- Für die Ernährung ihrer Soldaten haben die Russen Vieh beschlagnahmt. "Halbwüchsige Söhne wurden von der Roten Armee als Viehtreiber requiriert", heißt es in der Dorfchronik. "Sie mussten das Vieh zu bestimmten Sammelplätzen führen und kehrten erst nach Tagen oder Wochen nach Hause zurück." Aus eigenem Erleben berichtete ein Flüchtling aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, der dauerhaft in Kurtschlag ansässig geworden ist: "Ich ... wurde als fünfzehnjähriger Junge zusammen mit anderen Jugendlichen gezwungen, von den Russen requiriertes und zusammengetriebenes Vieh von Landsberg nach Posen zu führen. Von Februar bis Mai waren wir zu Fuß unterwegs." - Eine Frau erzählte uns, dass Russen die Kühe, die sie den Bauern abgenommen hatten, auf einer Wiese abgestellt hätten, wo Dorfbewohner diese für sie melken mussten. Ein Russe habe ihnen dabei geholfen. - In einem anderen Bericht ist von einem Unfall die Rede: Eine Kuh sei in einen Graben gefallen, und 

da sie daraus nicht zu befreien gewesen sei, habe man sie in dem Graben geschlachtet. Einen Teil des Fleisches hätten die Russen den Deutschen gegeben. - Schließlich soll noch ein "Schlachthaus" erwähnt werden, das die Russen zeitweise an der Döllner Chaussee eingerichtet hatten. Dort - so erzählte uns jemand - seien Schweine und Kühe geschlachtet worden, die die Soldaten den Bauern abgenommen hätten.

- Ein Thema, das von den Befragten auffallend häufig angesprochen wurde, war das Verhältnis der Russen zu den deutschen Kindern. Dazu schreibt die bereits erwähnte Silke Satjukow in ihrem Buch "Besatzer. 'Die Russen' in Deutschland 1945-1994": "Anders als gegenüber der erwachsenen Bevölkerung, von der die Frontsoldaten die Herausgabe von Wertsachen forderten, beschenkten armselig gekleidete Rotarmisten die Kinder zumeist. Die Erwachsenen mussten mit Verhaftung, Vergewaltigung und sogar mit Erschießung rechnen - den Heranwachsenden aber wurde gestattet, auf die Panzer zu klettern und die Pferde zu versorgen." Ein Phänomen, das uns von unseren Gesprächspartnern bestätigt wurde. Auch bei uns seien die Russen zu den Kindern freundlich gewesen, erzählte man uns. Sie hätten ihnen Zucker geschenkt, und auch hier hätten die 



Kinder auf Panzern herumklettern dürfen. Gleiches berichtete ein ehemaliger Lehrer: Seine ersten Erinnerungen an die Russen 1945 seien Motorradfahren, Reiten und das Spielen mit dem Gewehr gewesen. Und ein anderer: "Zu meinen Kindern waren sie lieb und freundlich. Sie wurden in die LKW-Fahrerhäuser reingehoben und durften dort Autofahren spielen." 

"Kriegsende" habe ich dieses erste Kapitel überschrieben, und ich habe eine Reihe von Themen angesprochen, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung waren. Das Thema Vergewaltigungen habe ich zunächst ausgelassen. Im nächsten Kapitel gehe ich darauf ein.



Ihr habt Informationen zu unserem Thema, die uns bisher entgangen sind? So könnt Ihr uns diese mitteilen:

- per Mail an info@kurtschlag.de

oder direkt an:

- Manfred Lentz, Neuer Kietz 6, 16792 Zehdenick OT Kurtschlag, Tel. 039883 490699

- Siegfried Haase, Kleine Dellenstr. 9, 17628 Templin OT Groß Dölln, Tel. 039883 333018

- Birgit Halle, Kapper Dorfstr. 46, 16792 Zehdenick OT Kappe, Tel. 03307 315037

Dass wir Eure Informationen vertraulich behandeln, ist selbstverständlich.