Siegfried Haase aus Groß Dölln - 

ein Suchender, auch in der Kunst

Vor ein paar Jahren sind wir aus Berlin nach Groß Dölln gezogen. Für mich war es ein Zurück auf den elterlichen Bauernhof, wo ich meine Kindheit verbracht habe. 40 Jahre Berlin waren genug. Dort habe ich bei der Bewag, der Gasag und die letzten 25 Jahre im Deutschen Theater gearbeitet. Auf der Abendschule habe ich mein Abitur gemacht und danach Kurse in Kunstgeschichte und Malerei belegt. In den 80er Jahren war ich aktiv in der kirchlichen Öko- und Friedensbewegung engagiert. Seit 1990, mit dem Kauf eines Schweißgerätes und angeregt durch den Metallbildhauer R. Pfeiffer, habe ich mich mehr und mehr mit der Gestaltung von Eisenschrott befasst. Auch ein großer Garten gehört zu meinem Gesamtkonzept, den ich in gemeinsamer Arbeit mit meiner Frau so naturnah wie möglich zu gestalten versuche. Hier habe ich genug Platz für meine umfangreiche Alteisensammlung, für historische Gerätschaften, gesammelt im Umland, und vor allem für Werkstätten für meine Kunstarbeiten aus Eisen, Holz, Stein und anderen Materialien.

Am liebsten habe ich Dinge, die schon ein Leben hinter sich haben und rostig sind. Glänzendes und Neues wird man bei mir kaum finden. Hier ist genug Raum für all die Tiere und Pflanzen, die von alleine kommen und für meine skurrilen und nachdenklichen Arbeiten. Viel Platz ist aber ebenso für gern gesehene Besucher. 

Groß Dölln, mitten im Wald gelegen, ist auch ein idealer Ort für meine ornithologischen und anderen naturkundlichen Interessen.

Außer den bildhauerischen Tätigkeiten habe ich mich unter anderem intensiv mit der Geschichte der Flößerei auf dem Döllnfließ, der Glashütte DELLEN, der Dorfgeschichte und der Wilddieberei befasst. Daraus ist einiges Gedrucktes hervorgegangen. Auch einige ungewöhnliche Projekte (Wilddiebstein, Flößertafel u.a.)  haben hier ihren Ursprung.

An Stelle eines Katalogs habe ich eine kleine Sammlung von Gedichten, Reflexionen, Geh-danken und einigen Fotos meiner Arbeiten zu einem kleinen Band "Geh-danken, Beobachtungen und Figuren zwischen Chlorophyll und Rost" versammelt.

Am besten, sie kommen zu mir nach Groß Dölln und schauen, fragen, diskutieren oder genießen einfach nur die etwas andere Art von Garten und Kunst.



Bildhauerlos

Während ich in der Hitze des Sommers dem Eisen mühevoll eine neue Form abringe, formt über mir der Wind spielend leicht aus Wolken bizarre Gebilde ohne Zahl.


Erwähnt werden muss auch noch mein "Kunstwald", der sich auf der Gemarkung von Kurtschlag befindet und von vielen "Buschdorfkünstlern" mitgestaltet wird. Hier sind Arbeiten u.a. von Petra Elsner, Sabine Schmalz, Lutz Kittler, Uwe Thamm und mir zu finden. Es ist ein offenes Projekt, und gesucht werden weitere kreative Menschen, die hier etwas machen möchten. Vieles ist möglich, was hier an Ideen umgesetzt werden kann. Ob man mit den vorhandenen Bäumen oder mitgebrachtem Material arbeiten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. (Wer hier etwas macht, muss allerdings damit leben können, dass es zerstört oder gestohlen wird.)



Der Antrieb

... das Bedürfnis haben, sich Fragen zu stellen, die kein anderer so stellt und Antworten zu finden, die nicht unbedingt viele wissen wollen. Wenn dieses Spiel den Kopf verlässt und Form wird, dann kann es vielleicht Kunst werden.




Manchmal möchte ich mich am liebsten nur hinsetzen und dem Schrott beim Rosten zuhören.